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Architekturwerkstatt Uwe Kurzbein

 

 

 
 
Olga ist eine Krähe und Krähen sind Rabenvögel. Deswegen heißt unsere Strasse Rabenzweig.
Während der Rabe ein mystisches Flair hat, hat die Krähe eher ein etwas humorvolles, schelmisches und behütendes.
Und genau das ist meine Architekturbeschäftigung: Nur mit Humor und Gelassenheit läßt  sich der Baustellenstreß aushalten.
 
Warum Architekturwerkstatt?    
 
 

 

Zum Zeitpunkt des Hochschulexamens eines jeden Architekten ist die Architektur die höchste Kunst, mit der die Umwelt gestaltet wird. Es ist Schaffen, Bilden, Unterstreichen, für Generationen, einmalig, von einem Genie erdacht, von einer begnadeten Hand gezeichnet und von mit Inbrunst arbeitenden Maurern, Tischlern und Installateuren erbaut.
Und alles für die Menschheit. Der Mensch ist das Maß aller Dinge- sagt Le Corbusier.
Den ersten Knacks bekommt der Durchschnittsabsolvent, wenn er nach dem Examen in einem Architektenbüro arbeitet, weil er dort meist in der Detailabteilung oder auf der Baustelle sitzt, den zweiten Knacks bekommt er, wenn er sich selbstständig macht, wie viele von uns: Einzelgänger, umherstreifende Wölfe, schnuppernd nach einer Garage, einem Einfamilienhaus, einem Carport.
Schlimmer als die Details sind die Fesseln der Bauämter, und natürlich der Bauherren, der Baufrauen und ganz heftig, die der Baugemeinschaften. Was die Bauämter angeht, so denken diese im Osten, im Gegensatz zu denen im Westen, meist darüber nach, wie verhindert werden kann. Die Bauherren meist wissen, dass sie nicht so besonders viel wissen und geben dem Architekten schon etwas freie Hand, bei den Baugemeinschaften jedoch gibt es immer einige, die alles besser wissen. Mit denen habe ich bereits lange Jahre zu tun. Ich habe mich auf Gemeinschaften spezialisiert. Ich lebe ich selbst in einer. Ich weiß also, wovon ich rede.
Genialität ist in der Gemeinschaft nicht gefragt, weil fast immer der Einwand kommt, man könne es ja auch so oder so machen, was ja auch stimmt, aber der geniale Zusammenhang geht dabei baden.
Und über allem schwebt das Damoklesschwert, das Geld, die Baukosten. Der Entwurf ist noch nicht gezeichnet, da wollen die Bauherren wissen, was die Bude kosten würde. Bei einem Neubau lässt sich das ja noch ganz gut sagen, bei Sanierungen jedoch ist eine verlässliche Aussage zu einem frühen Zeitpunkt kaum möglich.
Also wird in die Kiste der Erfahrung gelangt, den Zauberstab herausgeholt, das Alter des Bauherrn mit 1200 multipliziert, die Größe abgezogen das Ganze geschüttelt und nicht gerührt und zur Bank gebracht, damit die Mittel beschafft werden können.
Was bleibt, damit die Arbeit dennoch Spaß macht und mehr als nur erträglich ist?

Runter mit den hehren Anfangsansprüchen und weg mit dem Satz: Ich bin der Beste und zusehen, was wirklich mit Güte und Qualität bleibt: Und das ist das Handwerk.

Bei mir ist Architektur Handwerk!

Ein Handwerk dessen Inhalt Tausende von kleinen Erfindungen ist, die in ein großes, sich aber ständig Veränderndes eingebettet sind. Irgendwann ist auch die unruhigste Baustelle fest und unveränderlich. Und wenn ich das geschafft habe, dann kann ich mich beruhigt umdrehen und die Skizzenrolle für das nächste Projekt ausrollen. Und das mit Freude, denn diese zwei Tage mit einem superdicken Bleistift in der Hand sind jetzt wirklich das prickelnde Architektengeschäft.

Vorausgesetzt natürlich, dass nicht ständig angerufen wird, weil auf der alten Baustelle der Löffel fehlt und die Bauherren wissen wollen, wie ein Fenster eingesetzt wird.

Uwe, den 22.10.08

Weiterer Aufsatz von Uwe:
Ökologische Architektur - Was ist das?